Artenvielfalt unserer Gewässer

6.500 Korallenarten, 8.000 Muschelarten, 32.500 Fischarten, 33.000 Algenarten – die Wasserwelt der Erde zeichnet sich durch eine ungemeine Artenvielfalt aus, die noch weit über diese Aufzählungen hinausgeht. Das Leben der Erde begann im Wasser, dort entwickelten sich die ersten Vorläufer von Zellen. Auch heute noch leben mehr als die Hälfte aller Wirbeltierarten im Wasser.

Wie ist eine solche Artenvielfalt entstanden? Die Antwort lautet: durch die Evolution. Zwei wichtige Prinzipien der Evolution spielen hier eine bedeutende Rolle: die innerartliche und zwischenartliche Konkurrenz und die daraus folgende Selektion. Die innerartliche Konkurrenz kommt dadurch zustande, dass mehr Nachkommen gezeugt werden, als von den begrenzten Ressourcen leben können. Nur die „stärksten“, d.h. am besten an die Umwelt angepassten Individuen einer Art überleben lange genug, um sich fortzupflanzen und so ihre Gene weiterzugeben. Die genetisch veranlagten Eigenschaften dieser Individuen werden selektiv so weitergegeben und die nachfolgenden Generationen verändern sich immer weiter, indem sie immer besser auf die jeweilige Umwelt angepasst sind. Dieser Vorgang wird auch Einnischung genannt.

Aber auch durch zwischenartliche Konkurrenz trägt zu einer Veränderung der Art bei. Sie entsteht, wenn zwei Arten um dieselben Ressourcen in einem Lebensraum konkurrieren, beispielsweise die gleiche Nahrung fressen. Die stärkere Art kann dann die schwächere Art verdrängen; diese wird entweder aussterben oder sich andere Nahrung suchen. Zwischenartliche Konkurrenz kann aber auch zu einer Koexistenz führen, wenn sich die Arten einnischen. Das bedeutet, dass sie die Ressourcen nach zeitlichen, räumlichen oder funktionellen Gesichtspunkten unter sich aufteilen. Zeitliche Einnischung zeigt sich etwa darin, dass unterschiedliche Fischarten zu verschiedenen Zeiten laichen, um so Konkurrenz um Nahrung für die Jungfische zu vermeiden. Auch die Aufteilung zwischen Tag- und Nachtaktivität zur Nahrungssuche ist Ergebnis einer zeitlichen Einnischung. Räumliche Einnischung bedeutet, dass an unterschiedlichen Orten nach Nahrung gesucht oder auch gelaicht wird. Funktionelle Einnischung beschreibt hingegen die Abweichungen in der Nahrungswahl  voneinander. Die Einnischung ist also ein erfolgreiches Prinzip für die Koexistenz von Arten.

Einnischung hat eine herausragende Rolle in der Entwicklung der Arten: Durch die Spezialisierung auf ein bestimmtes Ökosystem können sich Unterarten entwickeln. Auch diese können sich wiederum weiterentwickeln, bis sie eigene Arten darstellen. So haben sich alle Arten voneinander entwickelt und ihre eigene ökologische Nische durch ständige Interaktion mit der Umwelt gebildet.

Auch die 32.500 Fischarten, die bisher bekannt sind, haben sich von gemeinsamen Vorfahren entwickelt. Der vermutlich älteste bekannte Fisch besaß noch kein Skelett, er erhielt durch einen Panzer seine Form. Erst später entwickelten sich von ihm die Knorpelfische und noch später in der Evolutionsgeschichte entwickelten sich Fische mit einem knöchernen Skelett. Heute sind circa vier Prozent der Fischarten Knorpelfische, nämlich die Arten der Haie, Rochen und Meerkatzen. Knorpelfische sind Fleischfresser und leben im Salzwasser, nur wenige Ausnahmen leben auch im Süßwasser, allerdings nicht in Europa. Besonders erstaunlich ist bei Knorpelfischen die Vielfalt ihrer Größe: Es gibt Haie, die nur 16cm lang werden, aber auch solche, die 14m groß werden können. Auch Knochenfische zeigen diese Diversität in der Größe; manche Arten werden nur 1cm groß, doch Riemenfische werden bis zu 17m lang.

Die Gewässer der Erde zeigen eine große Variation in ihren abiotischen Eigenschaften. Sie unterscheiden sich in Temperatur, Nahrungsgehalt, Sauerstoffgehalt, Strömung, Sonneneinstrahlung und vielem mehr. Die Unterschiedlichkeit dieser Lebensräume hat großen Einfluss auf die Vielfalt der in ihnen lebenden Lebewesen. So haben sich Fische zu einer sehr heterogenen Tiergruppe entwickelt und unterscheiden sich stark in Körperform, Farbe, Größe sowie Lebens- und Verhaltensweisen. Nicht nur Fische weisen im Meer eine große Artenvielfalt auf. Es sind zahlreiche Arten von Meeressäugern vertreten, allein 9.000 Walarten gibt es, zu denen auch die Delfine zählen. Die hohe Zahl von Algenarten zeigt auch, dass Vielfalt im Meer nicht auf die Tierwelt beschränkt ist. Auch die Pflanzenwelt hat im Laufe der Evolution eine ungeheure Diversität entwickelt.

Und die Entdeckungen und Erforschungen der Artenvielfalt unseres Planeten sind noch nicht vorbei: Noch 2/3 der Meereslebewesen sind unentdeckt; das sind zwischen 704.000 bis 972.000 Arten. Im Jahrzehnt zwischen 2000 und 2010 wurden ganze 20 000 neue Arten entdeckt. Selbst in den sehr gut erforschten europäischen Gewässern sind geschätzt noch 1/3 neue Arten verborgen.

Um international auf das Problem von Artensterben aufmerksam zu machen, hat die UNO 2011 die Dekade der Biodiversität von 2011 bis 2020 ausgerufen. Im Mittelpunkt stehen drei Ziele: die Erhaltung der Artenvielfalt, die nachhaltige Nutzung der Ressourcen und die Sicherstellung eines gerechten Zugangs zu biologischen Ressourcen und ihrer gerechten Verteilung. So wird die Bedeutung von Artenvielfalt für eine nachhaltige Entwicklung ausdrücklich betont.

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